Man muss das kurz festhalten, weil es in der öffentlichen Berichterstattung gerne untergeht: Am Freitag, dem 12. Juni, fand in Essen-Kray eine Kundgebung statt. Ordnungsgemäß angemeldet, planmäßig durchgeführt, diesmal sogar mit Livemusik. Das klingt nach wenig – ist es aber nicht, wenn man bedenkt, mit welcher Beharrlichkeit in diesem Land versucht wird, politisch unerwünschte Versammlungen durch allerlei kreative Hindernisse zum Erliegen zu bringen.

Wer darauf gesetzt hatte, dass die freiheitliche Opposition im Ruhrgebiet irgendwann einfach aufhört, hat die Rechnung ohne die Veranstalter gemacht.

Den musikalischen Teil der Veranstaltung bestritt die Liedermacherin Karin Mundt vom Projekt „Wut aus Liebe“. Mit einem Repertoire aus alten und neuen Liedern wusste sie das Publikum zu überzeugen. Als Redner traten Claus Cremer und Sven Skoda ans Mikrofon. Die Kundgebung verlief störungsfrei.

Der Staat, die Bühne und die staatsgefährdenden Bodenständer

Die eingesetzten Beamten taten ihren Dienst korrekt und professionell. Dass sie am Ende dennoch eine Strafanzeige schreiben mussten, lag nicht an mangelndem Augenmaß auf der Straße, sondern an einer Weisung von oben. Die Führungsebene hatte im serienmäßigen Bodenständerwerk der genutzten Bühne staatsgefährdende Symbole ausgemacht. Man lese das ruhig zweimal. Welche Symbole genau und auf welcher Rechtsgrundlage die daraus folgende Anzeige beruht, blieb zunächst offen.

Es ist eine bemerkenswerte Leistung des deutschen Sicherheitsapparats, in handelsüblichem Veranstaltungsequipment eine Bedrohung der verfassungsmäßigen Ordnung zu erblicken. Man darf gespannt sein, was die nächste Kundgebung an versteckten Botschaften im Mikrofonstativ bereithält.

— Einschätzung der HEIMAT NRW

Man möchte nicht ungerecht sein. Die Beamten vor Ort handeln nach Weisung, und wer ihnen persönlich einen Vorwurf macht, adressiert das falsche Problem. Das Problem sitzt eine Etage höher. Es sagt doch etwas über den Zustand des Landes aus, wenn politische Führungsstellen gegenüber einer genehmigten Versammlung mit Gitarrenmusik mehr Kreativität entwickeln als gegenüber den Sachbeschädigungen und Einschüchterungsversuchen im Vorfeld, über die, soweit bekannt, keine vergleichbare Energie aufgewendet wurde.

Eine Kundgebung, die stattfand. Mehr war es nicht. Aber auch nicht weniger.

Das Ruhrgebiet ist kein einfaches Pflaster für politische Arbeit abseits des Mainstreams. Es ist eine Region mit langer industrieller Tradition, mit Arbeitermilieus, in denen politische Loyalitäten tief verwurzelt sind – und in denen neue Stimmen sich ihren Platz erst erarbeiten müssen. Dass HEIMAT dort weiter Präsenz zeigt, Veranstaltungen durchführt und sich nicht durch Widerstände vertreiben lässt, ist zunächst einmal ein Faktum. Die Bewertung überlässt man dem Leser.

Die nächste Kundgebung kommt bestimmt. Mit oder ohne Strafanzeige gegen das Bühnenequipment.

Veranstaltung auf einen Blick

  • Datum: Freitag, 12. Juni 2025
  • Ort: Essen-Kray, Ruhrgebiet
  • Redner: Claus Cremer, Sven Skoda
  • Musik: Karin Mundt – Projekt „Wut aus Liebe“
  • Verlauf: Planmäßig und störungsfrei – abgesehen von behördlicher Kreativität