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4. September 2026Deutschland verfügt mit rund 3.350 Tonnen über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Doch mehr als ein Drittel der Goldreserven der Bundesbank lagert weiterhin in New York. Während andere Staaten angesichts geopolitischer und finanzwirtschaftlicher Risiken ihre Bestände neu ordnen, bleibt Deutschland untätig. Die Forderung liegt auf der Hand: Deutsches Gold gehört nach Deutschland!
„Je weniger Vertrauen man in die Politiker hat, desto mehr Vertrauen hat man zum Gold“, lautet ein bekanntes Zitat aus der Finanzwirtschaft. In der Tat gewinnt Gold an fiskalpolitischer Relevanz, abzulesen allein schon daran, dass die Zentralbanken in den zurückliegenden Jahren ihre Goldbestände massiv, ja geradezu in historischem Ausmaß erhöht haben, und zwar weltweit. Den Daten des World Gold Council zufolge verzeichnete der Goldmarkt eine der größten staatlichen Kaufwellen der Geschichte: Dreimal in Folge, nämlich in den Jahren 2022, 2023 und 2024, erwarben die Notenbanken jeweils mehr als 1.000 Tonnen Gold pro Jahr netto – mehr als das Doppelte des langfristigen historischen Durchschnitts von rund 473 Tonnen jährlich.
Verfügbarkeit über Goldreserven
Aktuell haben die Niederlande einen beträchtlichen Teil ihrer in den USA lagernden Goldbestände abgezogen und nach London verlagert. Warum nach London? Ganz einfach, weil bei der Bank of England lagerndes Gold internationalen Handelsstandards unterliegt, die eine einfache Handelbarkeit ermöglichen. Nach der Verlagerung liegt dort nun knapp ein Drittel des niederländischen Goldes. Interessant ist vor allem die Begründung der niederländischen Zentralbank für diesen Schritt. Sie verweist dabei ausdrücklich auf „zunehmende geopolitische Unruhen“ und auf die Absicht, über das betreffende Gold in einer Krisensituation möglichst schnell verfügen zu können. Man möchte meinen, dass dies vielleicht auch in Deutschland entsprechende Überlegungen anstoßen könnte, dem ist jedoch mitnichten so. Zu den unbestreitbar besorgniserregenden geopolitischen Rahmenbedingungen kommt die globale Staatsverschuldungsproblematik hinzu, insbesondere diejenige der USA. Auch sie müsste Anlass geben, derartige Schritte mit Blick auf mögliche finanzwirtschaftliche Erschütterungen in Erwägung zu ziehen.
Globale Finanzkrise durch US-Schuldenfiasko
Die US-Staatsschulden überschreiten mittlerweile 40 Billionen Dollar. Allein der Schuldendienst, also die Zinszahlungen, belastet den US-Haushalt jährlich mit mehr als einer Billion Dollar und bindet damit einen erheblichen Teil des gesamten Ausgabevolumens. Die Verschuldungsquote der USA beläuft sich bereits auf rund 125 Prozent des BIP! In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass sich beispielsweise die EU mit dem Maastricht-Kriterium eine Obergrenze von 60 Prozent auferlegte. Was sagt dies wohl über die Stabilität der USA aus? Ein weiterer Vergleich: Ende 2009, Anfang 2010 setzte die sogenannte Eurokrise ein, ausgelöst nicht zuletzt durch die horrende Staatsverschuldung Griechenlands. Dessen Schuldenquote lag 2009 mit 129,7 Prozent nur unwesentlich höher als die der heutigen USA, deren Dollar immerhin die Weltleitwährung ist. Potenzielle Verwerfungen können hier also noch weit größere Erschütterungen auslösen als seinerzeit bei der Eurokrise. Der Rückkauf langfristig laufender Anleihen auf Basis kurzfristiger Schatzwechsel, wie er zuweilen von den Finanzministern vollzogen wird, ist so absurd, wie eine Hypothek mithilfe der Kreditkarte zu bedienen. Eine weitere Krisengefahr liegt darin, dass ein großer Teil der handelbaren US-Anleihen außerhalb der USA gehalten wird. Zugleich reduzieren traditionelle Käufer von US-Staatsanleihen trotz der hohen Renditen zunehmend ihre Bestände, anstatt sie aufzustocken. Dies liegt sowohl an geopolitischen Spannungen als auch am mangelnden Vertrauen in die Nachhaltigkeit der US-Fiskalpolitik.
Wieso liegen deutsche Goldreserven in den USA?
Die Verfügbarkeit über solide Werte wie die eigenen Goldreserven ist in einem derartigen Umfeld bereits ein Wert an sich. Die Goldbestände der Bundesbank von rund 3.350 Tonnen sind die zweitgrößten weltweit nach denen der USA. Dennoch lagern 1.236 Tonnen – mehr als ein Drittel des Bestandes – weiterhin in New York. Zwar befindet sich gut die Hälfte des deutschen Goldes in Frankfurt und ein weiterer Teil in London. Doch im Gegensatz zu den Niederlanden scheinen die „Verantwortlichen“ in Deutschland kein Interesse daran zu haben, den vollständigen und gegebenenfalls schnellen Zugriff auf die gesamten deutschen Goldreserven im eigenen Land sicherzustellen.
Gold ist kein bloßer Bilanzposten. Als physische Reserve soll es Vertrauen schaffen und gerade dann verfügbar sein, wenn Währungen, Finanzmärkte oder politische Bündnisse erschüttert werden. Das setzt voraus, dass Deutschland selbst und ohne Abhängigkeit von ausländischen Verwahrstellen darüber verfügen kann. Die Goldreserven der Bundesbank gehören deshalb vollständig nach Deutschland. Aber hierzulande operiert man in Krisensituationen ja lieber mit „Sondervermögen“ …
Sascha A. Roßmüller
Amtsleiter Politik der HEIMAT




