Am Donnerstag, dem 25. Juni 2026, trat die Stadtvertretung in Stavenhagen zu ihrer nächsten Sitzung zusammen. Neben den üblichen Tagesordnungspunkten wurde dort eine gemeinsame Erklärung der Fraktionen CDU, UFS und ZG Die Linke Trautmann verlesen. Der Text trägt den Titel „Gemeinsame Erklärung für eine offene, freie und menschliche Reuterstadt Stavenhagen“ und versteht sich als politisches Bekenntnis im Namen der gesamten Stadt.

Die einzige Gegenstimme kam von der AfD Stadtvertreterin Doreen Gärtner. In ihrer Wortmeldung machte sie deutlich, dass solche Erklärungen politische Gräben eher vertiefen als überbrücken. Sie stellte die berechtigte Frage, wer heute mit Gewissheit im Namen Fritz Reuters sprechen könne. Ein Antrag auf Änderung lag nicht vor. Reaktionen aus den Reihen anderer Fraktionen ließen nicht lange auf sich warten und fielen wenig sachlich aus.

Statement der Stadtvertretung Stavenhagen

Fritz Reuter gehört zu uns allen – und in besonderer Weise zu seiner Heimatstadt Stavenhagen.

Er ist Teil unserer Geschichte, unserer Sprache und unserer Identität. Fritz Reuter steht für die niederdeutsche Sprache, für große Literatur, für Menschlichkeit, Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Sein Leitsatz »Fri möt wi sin« – frei müssen wir sein – ist für uns Erinnerung, Verantwortung und Auftrag zugleich.

Deshalb stellen wir uns entschieden gegen jede Form der Vereinnahmung. Wenn politische Akteure versuchen, unsere Geschichte, unsere Traditionen oder den Namen Fritz Reuters für Ausgrenzung, Hass und Ideologie zu missbrauchen, sagen wir klar:

Nicht mit uns. Nicht in Stavenhagen. Nicht im Namen Fritz Reuters.

Unsere Stadt steht für Zusammenhalt, Offenheit, Solidarität und Menschlichkeit. Das vielfältige Engagement in der Reuterstadt zeigt jeden Tag, wie lebendig unsere Demokratie vor Ort ist.

Es sind die Bürgerinnen und Bürger, die Stavenhagen stark machen – Menschen, die Brücken bauen, Verantwortung übernehmen, helfen, gestalten und für unsere gemeinsamen Werte eintreten.

Fritz Reuter gehört nicht denen, die spalten.
Er gehört den Menschen, die verbinden.
Fritz Reuter gehört zu uns.

Darum stehen wir zusammen – für Freiheit, für Demokratie, für bürgerschaftlichen Zusammenhalt und für eine offene, freie und solidarische Stadt.

Die Fraktionen CDU, UFS und ZG – Die Linke/Trautmann der Stadtvertretung der Reuterstadt Stavenhagen

Viel Haltung auf dem Papier, wenig Bezug zum Alltag

Der HEIMAT Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte hält solche Erklärungen für politisch durchschaubar und sachlich entbehrlich. Wenn in kommunalen Gremien immer öfter symbolische Stellungnahmen verlesen werden, dann geht es selten um konkrete Lösungen für die Bürger, sondern um demonstrative Abgrenzung gegen politische Mitbewerber. Der Aufwand für die großen Worte ist beachtlich. Der Nutzen für die Menschen in Stavenhagen bleibt dagegen gering.

Fritz Reuter ist zweifellos Teil der Geschichte dieser Stadt. Gerade deshalb sollte sein Name nicht zum politischen Werkzeug des Tagesgeschäfts werden. Wer das kulturelle Erbe der Reuterstadt ernst nimmt, muss nicht zuerst Erklärungen formulieren, sondern Verantwortung für die tatsächlichen Aufgaben vor Ort übernehmen. Ob Infrastruktur, Daseinsvorsorge oder die wirtschaftliche Lage der Region: Das sind die Themen, die die Bürger täglich bewegen.

„Solche Erklärungen sind kein Zeichen von Stärke, sondern von politischer Ratlosigkeit. Wer wirklich für die Menschen in dieser Stadt arbeitet, braucht kein Bekenntnispapier. Der braucht Lösungen.“

Max Matthieß, Beisitzer im HEIMAT Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte

Ein Muster, das sich wiederholt

Was in Stavenhagen zu beobachten war, ist kein Einzelfall. In vielen Kommunen ist in den vergangenen Jahren festzustellen, dass etablierte Fraktionen auf symbolische Beschlüsse zurückgreifen, sobald der politische Druck steigt. Das Muster ist bekannt: Eine breite Mehrheit verabschiedet ein Papier, das politische Konkurrenz implizit ausgrenzt, ohne dass darüber offen abgestimmt oder debattiert werden muss. Wer dagegen votiert oder auch nur fragt, riskiert öffentlichen Spott statt sachlicher Antwort. Das ist kein Zeichen lebendiger Meinungspluralität. Es ist ihr Gegenteil.

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Wer Missstände in Stavenhagen oder der Mecklenburgischen Seenplatte benennen möchte, Fragen an die Kommunalpolitik hat oder einfach sehen will, dass jemand hinschaut: Die HEIMAT ist vor Ort. Wir nehmen die Sitzungen der Stadtvertretung weiter aufmerksam wahr und bringen die Anliegen der Bürger dorthin, wo sie hingehören.

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