
Die Jugend singt und sie hat jedes Recht dazu
22. März 2026KRIEGSTAUGLICH IN DEN BANKROTT?
US-Präsident Trump, der mittlerweile am Nachmittag nicht mehr zu wissen scheint, welche Meinung er am Vormittag vertrat, unterbrach zwischenzeitlich sein rhetorisches Säbelrasseln im USraelischen Angriffskrieg gegen den Iran mit Verhandlungsankündigungen. Allerdings scheint es mittlerweile so zu sein, dass immer dann, wenn die USA zu Verhandlungen ansetzen, es höchste Zeit für die Verhandlungspartner ist, sich zu bewaffnen. Entsprechend fiel auch die Reaktion aus Teheran aus.
Bei der Beurteilung solch oft verwirrender Verlautbarungspraxis darf man zwei Dinge nicht aus den Augen verlieren. Zum einen, dass das erste Opfer des Krieges vielfach die Wahrheit ist, und zum zweiten, dass der Hintergrund öffentlichkeitsrelevanter Verlautbarungen Richtung diplomatischer Aktivitäten nicht allein nur militärischen Entwicklungen unterliegt, sondern auch deren ökonomischer Kollateralschäden. Die Internationalen Energieagentur (IEA) spricht immerhin bereits von einer existenziellen Bedrohung für die globale Energiesicherheit, weshalb sie ihren Mitgliedstaaten auch Notfallmaßnahmen empfiehlt. Neben dem Hochfahren von Homeoffice-Betrieb in der Arbeitswelt ist sogar von Treibstoff-Rationierungen und Fahrverboten die Rede.
„Schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten“
Allein die Freigabe der Notfallreserven in der historischen Größenordnung von fast einem Drittel der gesamten strategischen IEA-Bestände lässt darauf schließen, wie ernst die Lage eingeschätzt wird. Laut dem Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, übertreffen die Auswirkungen bereits jetzt die Ölpreisschocks der 1970er Jahre sowie die durch den Ukraine-Krieg verursachten Verwerfungen. Birol wies jüngst in Sydney darauf hin, dass während der beiden aufeinanderfolgenden Ölkrisen in den Siebzigerjahren weltweit täglich etwa fünf Millionen Barrel Erdöl fehlten, jedoch bis dato pro Tag rund elf Millionen Barrel pro Tag verloren gingen, sprich mehr als bei den zwei großen Ölschocks zusammen, weshalb der IEA-Chef auch vor der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten warnt.
Wenig beruhigend ist auch die Einschätzung des Ifo-Präsidenten Clemens Fuest, der selbst bei weiteren Freigaben von Ölreserven im Falle eines längeren Anhalten dieses Krieges ein Aufbrauchen besagter Reserven für bereits diesen Sommer prognostiziert. „Wenn wegen des Kriegs 25 Prozent des üblichen Ölangebots nicht mehr verfügbar und die Straße von Hormus geschlossen bleibt, dann hätten wir für drei Monate strategische Ölreserven weltweit“, warnte der Ökonom gegenüber der Süddeutschen. Doch selbst im Falle einer Einstellung sämtlicher militärischer Feindseligkeiten lässt die Schwere der Beschädigungen der wirtschaftlichen Infrastruktur in der Golfregion keine sofortige Wiederinbetriebnahme der Förderanlagen zu. Dies dürfte mindestens Monate der Instandsetzung beanspruchen, wenn nicht mehr.
Deutschland liefert Gas an Ukraine
Die Spekulationen über die Ölpreisentwicklung überschlagen sich und Preise von 150 Dollar pro Barrel werden als nicht unrealistisch erachtet, sollten die Lieferunterbrechungen noch bis Mitte April anhalten. Für jeden weiteren Tag prognostizieren manche Analysten dann einen Anstieg von bis zu 15 Dollar täglich. Beim Erdgas verhält es sich nicht anders bzw. gerade hier überfordern die Heizkosten zunehmend die Privathaushalte. Die europäischen Gasspeicher sanken im März auf einen Füllstand von gerade einmal um die 30 Prozent, in Deutschland liegt der Gasspeicherstand sogar nur noch um die 20 Prozent. Umso unverständlicher ist es, dass trotz leerer deutscher Gasspeicher, über Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern Gas in die Ukraine geliefert wird. Deutschland betreibt mittlerweile fünf an Nord- und Ostsee gelegene LNG-Terminals, für die LNG-Importe aus den USA, woher mittlerweile 96 Prozent der deutschen LNG-Importe stammen. Neben den Milliardeninvestitionen fallen hier weit höhere Kosten an als beim früheren Pipelinegas aus Russland. Statt billiges Gas aus Russland zu erhalten, liefert Deutschland nun teures Gas aus den USA in jene Ukraine, welche die Nord Stream 2 Pipeline zerstörte. Dies betrifft jedoch nicht allein nur die Privathaushalte, denn Erdgas wird beispielsweise auch für die Herstellung mineralischen Stickstoffdüngers benötigt, der wiederum für die Landwirtschaft unerlässlich ist.
Von der Düngemittel- zur Lebensmittelkrise
Aus dem Gas entsteht Ammoniak, daraus wiederum Harnstoff, der am stärksten konzentrierte Stickstoffdünger, auf dessen Import aus der Golfregion gegenwärtig ebenfalls verzichtet werden muss, da rund 35 Prozent des weltweiten Handels mit Harnstoff die Straße von Hormus zu passieren haben. Im Übrigen stellte China seine bisherigen Dünger-Exporte bereits ein, will heißen, diese sind gegenwärtig ebenfalls nicht mehr auf dem Weltmarkt erhältlich. Der Düngemittelhersteller SKW Piesteritz in Lutherstadt Wittenberg beispielsweise musste im Sommer 2022 schon einmal vorübergehend den Betrieb wegen der hohen Gaskosten stoppen, doch laut der Geschäftsführerin gegenüber rbb24 sei dann 2024 das bisher schlechteste Jahr in der Unternehmensgeschichte und auch 2025 nichts zu verdienen gewesen. Was dürfte wohl die jetzige Situation für den Arbeitgeber von 980 Menschen in der Region bringen? Und nicht zuletzt, wie wird sich dies auf die Erträge der Landwirte und letztendlich auf die Lebensmittelpreise auswirken? Diese Situation könnte schnell in einem inflationären Szenario enden, in dem nicht allein nur die Kraftstoffpreise explodieren. Aber z.B. auch Aluminium, unerlässlich für die Fahrzeugproduktion, das Bauwesen, Elektronik und auch in der Solarenergie, oder Helium, benötigt in der Halbleiterindustrie sowie für die Herstellung von Glasfaserkabeln und nicht zuletzt medizinischen Geräten, unterliegen nicht weniger einer Verknappung durch die gestörten Lieferketten.
Sofortmaßnahmen
Die Lage ist ernst, sogar sehr ernst, und so mancher fühlt sich beim Gedanken an potenzielle Energie-Lockdowns und den Druck auf die Landwirtschaft an gewisse globalistische Agenden erinnert. Fest steht jedoch, dass oberstes Gebot einer verantwortlichen Politik im nationalen Interesse sein muss, unverzüglich jegliche Unterstützung dieses Krieges im Nahen Osten zu unterlassen, was nur heißen kann, die Überlassung der US-Militärstützpunkte auf deutschem Boden, insbesondere Ramstein, zu untersagen, und deren Finanzierung mit ca. 130 Millionen Euro deutscher Steuergelder jährlich unverzüglich einzustellen. Darüber hinaus gilt es, ohne Rücksicht auf Brüsseler Vorgaben, die Sanktionspolitik gegenüber Russland vollumfänglich beenden und eine Normalisierung deutsch-russischer Handelsbeziehungen anzustreben.
Sascha A. Roßmüller
Amtsleiter Politik (Die HEIMAT)

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