
Die BRD hat ihren Handels-Kompass verloren!
6. Februar 2026Ständig ist die Rede von Bildungsreformen und wird die Bildung gegen vielerlei staatlicher Sachinvestitionen ausgespielt, obgleich die Mittel, die in den Bildungsetat fließen, seit Jahren ohnehin enorm ansteigen – und was das Bedauerliche ist: offensichtlich völlig nutzlos. Seit 1995 sind die jährlichen Bildungsausgaben des Staates um mehr als 120 Milliarden Euro angestiegen. Blickt man jedoch auf den erschreckenden Niveauverfall, fragt man sich, wofür ca. zehn Milliarden Euro, die monatlich (!) mehr als vor rund 30 Jahren zur Verfügung stehen, Verwendung finden, oder vielleicht zutreffender missbraucht werden. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die jährlichen Ausgaben pro Schüler seit 2010 von 6000 Euro Jahr auf fast 10.000 Euro.
Erschreckender Niveauverfall
Irrsinn wie „Schreiben nach Gehör“ bei Schulanfängern, vereinfachte „Light-Versionen“ von Goethe und Schiller für Abiturienten und „Dank“ der EU-Hochschulreform im Zuge des sog. Bologna-Prozess akademische Titel für das, was vormals als Studienabbrecher galt, sind die traurigen Ergebnisse, die man sich teuer erkauft hat. Im Inklusionswahn, der am besten auch noch die gymnasiale Zugangsberechtigung für die Hauskatze umfasst, wurden die Anforderungen zunehmend gesenkt, um fragwürdige internationale Abschlussquoten vorweisen zu können. Die Wirtschaft klagt über nicht ausbildungsfähige Berufsanfänger und nicht studierfähige Abiturienten benötigen Propädeutika, um trotz angeblich zertifizierter Hochschulfähigkeit universitätstauglich zu werden. Es werden zwar Abschlüsse generiert, deren Aussagekraft hinsichtlich tatsächlicher Qualifikation jedoch einem Etikettenschwindel gleicht. Prüfungsvergleiche über die vergangenen Dekaden oder – wenn man Zugang dazu hat – Vergleiche der Unterrichtsliteratur, wie beispielsweise Gymnasialbücher aus der Zeit vor 1968 und heute, und man stellt einen geradezu erschreckenden Niveauverfall fest.
Schluss mit der Sozialarbeiter-Pädagogik
Die zum heiligen Gral der modernen Pädagogik erhobene Kompetenz-Orientierung wird infolge einer fragwürdigen Kompetenzmodulierung ohne klare wissensbasierte Lernzielqualifikation zur bildungspolitischen KO-Falle, die bestenfalls durch ChatGPT mehr oder weniger verschleiert wird. Ein losgelöst von Faktenwissen „kastrierter“ Kompetenzgedanke generiert lediglich Kompetenzsimulanten, die einer vertieften Sachverhaltsdurchdringung als Grundlage eigenständiger Anwendungsorientierung entbehren. Im Übrigen hat der „Digitalisierungswahn“ bislang keineswegs zu besseren Lernleistungen geführt. Mangelnde fachliche Qualifikation bzw. Durchdringung des Lehrstoffes kann durch keinen pädagogisch-methodischen Budenzauber im Unterricht kompensiert werden. In einem qualitativ hochstehenden Bildungssystem muss die Stoffdidaktik Vorrang vor der Methodendidaktik beanspruchen. Die Verkörperung seines Faches einer Lehrkraft darf nicht unter einer Sozialarbeiter-Pädagogik leiden. Eine Leistungsgesellschaft erfordert mehr qualifizierte Autorität und weniger erziehungswissenschaftliche Lernbegleiter. Die fachliche Entkernung des Lehramtsstudiums im Zuge deren Ideologisierung stellt ein Grundübel unserer heutigen Bildungsmisere dar.
Lehrpläne statt Leerpläne
Handyverbot an Schulen und Vermittlung von Faktenwissen mittels Frontalunterricht mit Darstellungen an der Tafel, handschriftliche Niederschriften in klassischer Heftführung und Fokus auf iteratives Arbeiten anhand von Lehrplänen statt Leerplänen wären kostengünstige Maßnahmen einer nachhaltigen und überdies empirisch bewährten Wissensvermittlung. Notengebung gemäß leistungsorientierter Bewertungsmaßstäbe sowie standardisierte und verbindliche Schulformempfehlungen mit ggf. Aufnahmetests anstelle von Inklusionsillusionen sind Grundvoraussetzungen für Bildungsqualität. Insbesondere in Zeiten, in denen Fachkräfteangebot und internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöhte Bedeutung gewinnen, muss sichergestellt werden, dass Bildungsabschlüsse und Berufsqualifikationen deutschlandweit nicht nur die hierfür nötige Qualität garantieren, sondern besagte Abschlüsse überdies aufgrund eines vergleichbaren Niveaus auch in allen Bundesländern ihre Anerkennung in den jeweiligen Bereichen der Weiterbildung und der Berufsausübung erfahren. Auch mit Blick auf das Staatsziel flächendeckend gleichwertiger Lebensverhältnisse darf es kein regionales Kompetenzgefälle geben.
Zur Verwirklichung dieser nationalen Bildungsgerechtigkeit bedarf es einer Rahmengesetzgebung, die, ohne den Wettbewerb um die besten Zielerreichungsmethoden einzuschränken, deutschlandweit gleichwertige Bildungsabschlüsse garantiert, welche sowohl den wirtschaftlichen sowie auch den kulturellen und sozialen Anforderungen gerecht werden, um Wettbewerbsfähigkeit, kulturelle Kohärenz und Sozialkompetenz zum Markenzeichen der deutschen Wissens- und Leistungsgemeinschaft werden zu lassen.
Sascha A. Roßmüller
Amtsleiter Politik Die Heimat (HEIMAT)
Beitragsbild: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT, Prompt erstellt von Gemini). Die gezielte und transparente Verwendung von KI zur Erzeugung von Inhalten widerspricht nicht dem Plädoyer für eine „klassische“ Bildungspolitik, denn eine solche versetzt Menschen überhaupt erst dazu in die Lage, KI als „Werkzeug“ zu verwenden.
Goethe-Zitat: Das treffende Zitat im Beitragsbild wird oft Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben, eindeutig belegt ist dies jedoch nicht.




