Wer in Neumünster durch die Innenstadt läuft, kennt den Anblick: ein riesiges, vergittertes Gebäude, das einfach dasteht — Jahr für Jahr. Das Parkcenter an der Ecke Christianstraße und Parkstraße steht seit 2023 vollständig leer. Einbrüche, Vandalismus, Wasserschäden. Die Stadt kaufte das Areal im Dezember 2024 auf, startete ein Interessenbekundungsverfahren — und sortierte am Ende den einzigen ernsthaften Investor aus. Gefragt, was sie wollen, wurden die Neumünsteraner bislang nicht.

Das Parkcenter im Überblick

  • Lage: Ecke Christianstraße / Parkstraße, Neumünster-Innenstadt
  • Fläche: ca. 14.000 m² Grundstück, ehemals 14.500 m² Nutzfläche
  • Geschichte: 1976 eröffnet, Kinos, Hotel, Läden, Bowlingbahn, Polizeistation
  • Leerstand: seit 2023 vollständig aufgegeben
  • Eigentümer seit Dezember 2024: Stadt Neumünster
  • Investor (Procom Invest): plant Kaufland (~3.000 m²), Wohnungen, Hotel, Parkplätze
  • Stadtposition: lehnt großflächigen Einzelhandel ab, bevorzugt kleinteiligen Handel und Wohnen

Das Hamburger Unternehmen Procom Invest hat ein konkretes Konzept vorgelegt: ein Kaufland-Supermarkt mit rund 3.000 Quadratmetern, ergänzt durch Wohnungen, ein Hotel und Parkplätze. Ein Vollsortimenter, der Frequenz bringt — und der das Loch in der Innenstadt endlich schließen würde. Die Stadt lehnte das Konzept ab. Begründung: großflächiger Einzelhandel sei nicht innenstadtverträglich und widerspreche dem Masterplan Mobilität.

Ob ein leeres, verrottendes Gebäude innenstadtverträglicher ist als ein belebter Supermarkt, beantwortet die Verwaltung nicht. Was sie auch nicht beantwortet: Was die Neumünsteraner selbst wollen. Die Bürger wurden zu keinem Zeitpunkt gefragt. Das will HEIMAT-Ratsherr Mark Proch ändern.

Mark Proch, HEIMAT-Ratsherr Neumünster

Mark Proch · HEIMAT-Ratsherr Neumünster

Der Antrag: Die Bürger fragen, bevor entschieden wird

In der Ratssitzung vom 12. Mai 2026 brachte Mark Proch einen Dringlichkeitsantrag ein. Die Forderung klingt simpel, weil sie es ist: Die Stadt soll die Neumünsteraner fragen, was sie sich für das Parkcenter wünschen. Das Ergebnis soll anschließend der Ratsversammlung vorgelegt werden.

Antrag der HEIMAT-Fraktion im Wortlaut

„Die Stadt Neumünster startet eine Bürgerbefragung über die Zukunft des Parkcenters und legt das Ergebnis der Ratsversammlung vor.“

Die Stadt hat Rahmenbedingungen aufgestellt, die es ernsthaften Investoren schwer machen. Ein Interessent ist vorhanden und wird trotzdem ausgesperrt. Weder Bürger noch Rat wurden gefragt, ob die Vorgaben der Verwaltung dem entsprechen, was Neumünster wirklich braucht. Das Interessenbekundungsverfahren ist inzwischen abgeschlossen. Eine offizielle Mitteilung des Bürgermeisters: bislang ausgeblieben.

„In der Zwischenzeit rottet das Gebäude weiter vor sich hin, und viele Bürger fragen sich: Was passiert jetzt? Man könnte das natürlich sehr schön unterstreichen, indem man die Bürger einfach fragt, was sie wollen.“

Mark Proch · HEIMAT-Ratsherr · Ratssitzung 30. Juni 2026

Warten auf Prinz Charming: Die Strategie der Verwaltung

Die Stadtverwaltung lehnt den Kaufland-Plan von Procom Invest ab: Ein großflächiger Supermarkt erzeuge zu viel Autoverkehr, stehe dem Strukturwandel der Innenstadt entgegen und schade dem kleinteiligen Einzelhandel in der Christianstraße. Die Stadt will kleinteilige Gewerbeflächen und Wohnen. Klingt gut — nur hat sich dafür bislang kein Investor gefunden, der die städtischen Vorgaben erfüllt.

Jetzt, Monate nach Ablauf des Interessenbekundungsverfahrens, soll laut Bürgermeister irgendwann eine Expertenkommission eingesetzt werden. Mark Proch kommentierte das trocken: Er gehe davon aus, dass es sich dabei um Lobbyisten handele. Derweil rottet das Gebäude weiter.

Nichts ist in Stein gemeißelt. Die Rahmenbedingungen könnten geändert werden, wenn der politische Wille da wäre. Bis dahin steht das Parkcenter — mitten in der Stadt, mitten im Nichts.

Volksvertreter oder Verwaltungsgehilfen?

Wofür sind Volksvertreter eigentlich da? In Neumünster haben die Bürger alle fünf Jahre die Möglichkeit, bei der Kommunalwahl ihre Stimme abzugeben. Über eine der größten städtebaulichen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte in ihrer Innenstadt dürfen sie nicht mitreden. Die Stadt entscheidet. Die Verwaltung setzt Rahmenbedingungen. Und wer nicht passt, wird aussortiert.

„Wir brauchen uns über Politikverdrossenheit nicht zu wundern, wenn die Bürger solche wichtigen Entscheidungen immer nur am Rande als Zaungäste betrachten können. Unsere Fraktion stellt die Bürger in den Mittelpunkt ihrer Politik.“

Mark Proch · Antragsbegründung HEIMAT-Fraktion

Der Antrag wurde abgelehnt. Die übrigen Fraktionen wollten keine Bürgerbefragung, eine Befragung, die den Willen der Neumünsteraner schwarz auf weiß sichtbar gemacht hätte, war offenbar nicht gewünscht. Das zeigt genau das, was Proch kritisiert: Lieber wartet man weiter auf den Investor, der alle Vorgaben der Verwaltung erfüllt. Auf Prinz Charming. Das Parkcenter steht derweil weiter leer.

▶ Die vollständige Rede von Mark Proch in der Ratssitzung

HEIMAT fordert:

  • Sofortige Bürgerbefragung zur Zukunft des Parkcenters
  • Transparenz über die Ergebnisse des Interessenbekundungsverfahrens
  • Offizielle Mitteilung des Bürgermeisters an die Ratsversammlung
  • Überprüfung der Rahmenbedingungen im Sinne einer realistischen Investorenstrategie
  • Einbeziehung der Bürger vor jeder weiteren Entscheidung über das Areal

Supermarkt, kleinteiliger Handel oder Bauruine? Die Neumünsteraner wissen, was sie wollen. Die HEIMAT fragt sie.